Welzheimer-Wald- Marathon am 29.05.2014

Jagdszenen im Welzheimer Wald (von Micha)

 

Nachdem es am gestern Vormittag noch heftig geregnet hatte, absolvierte ich heute bei Sonnenschein und sehr angenehmen Temperaturen meinen Frühjahrsmarathon in Welzheim. Obwohl dieser Lauf schon seit vielen Jahren durchgeführt wird, war ich hier noch nie am Start. Das sollte sich also nun ändern.
Zum Warmlaufen machte ich eine kleine Stadtbesichtigung und schaute mir kurz die Limesreste an. Dann noch ein paar Meter von der Halle durch die Stadt zum Startbereich. Dort hatten sich schon viele Läufer versammelt, denn der Marathon-Start erfolgte gemeinsam mit den Halbmarathonis. Auch die Laufstrecke ist auf den ersten 20 km identisch. Danach setzen die HM-Läufer zum Endspurt an und die Marathon-Teilnehmer drehen scharf nach links ab und laufen die leicht abweichende Runde wieder zurück.

Landschaftlich ist die Strecke sehr schön. Lange Zeit am sonnenbeschienen Waldrand entlang, manchmal auch ein paar Meter in den Wald hinein und später dann sehr abwechslungsreich durch Wiesen, Felder und Wald. Wirklich sehr zu empfehlen! Nur im letzten Drittel fand ich persönlich die Sonne schon wieder ein bisschen lästig. Aber so ist das eben Ende Mai. Hätte es geregnet wäre ich auch nicht zufrieden gewesen :-)

Taktisch wollte ich dieses Mal alles richtig machen. Die ersten 15 km ein wenig unter dem Schnitt danach ein bisschen drüber und am Ende dann was eben noch geht. Das hatte ich mir zuhause wunderschön zurecht gelegt. Leider musste ich dann noch die Steigungen mit einrechnen, die natürlich gar nicht zu meiner geplanten Taktik passen wollten. Irgendwie wurde mir das dann zu kompliziert und ich bin einfach nach Bauchgefühl gerannt. Die ersten 12 km sehr verhalten - es ging leicht bergauf. Dann bis km 20 ein bisschen Zeit reinholen (bergab) und danach war jegliche Taktik hinfällig.

Nach dem Abzweig von der HM-Strecke ging es nämlich so steil den Berg hinauf, dass ich erst mal ziemlich nach Luft schnappen musste. Als ich mich danach umschaute bin ich ziemlich erschrocken, denn ich befand mich plötzlich mutterseelenallein auf der Laufstrecke. Alle Halbmarathonis waren weg und ich konnte auf dem Feld sehr weit sehen, aber eben keine anderen Läufer. Ca. 300 m hinter mir erkannte ich einen Mitstreiter - also war ich immerhin nicht falsch abgebogen. (Die Strecke war aber auch wirklich vorbildlich ausgeschildert.) Also einfach immer weiter nach Möglichkeit einigermaßen im geplanten Tempo.

Bei Kilometer 24 fragte ich einen Passanten wie weit denn der Nächste Läufer vor mir liegen würde. Da erfuhr ich, dass ich zum Einen momentan auf dem fünften Platz lag, und zum Anderen, dass Platz 4 mindestens einen km Vorsprung hatte. Allerdings fügte mein 'Informant' hinzu, dass mein Konkurrent schon nicht mehr ganz frisch aussah. Das gab mir die Kraft, in meinem angeschlagenen Tempo weiter zu laufen. Nach dem Motto: ich kann Dich zwar noch nicht sehen, aber ich werde dich trotzdem noch erwischen. Also immer weiter und siehe da - nach 28 km war es soweit: ein paar hundert Meter vor mir konnte ich kurz vor einer Biegung einen Läufer ausmachen. Trotzdem zog sich die Aufholjagd dahin und erst weitere drei Kilometer später hatte ich ihn eingeholt.

Nun lag ich also auf dem vierten Platz, aber das hatte ich dieses Jahr schon oft genug (in Herrenberg und auch beim Solitudelauf in Gerlingen). Jetzt wollte ich alles haben. Nur war Läufer Nr. drei ebensowenig zu sehen wie zuvor der Vierte. Also nochmal Alles geben! Laufen, Laufen, Laufen... und nach 36 km konnte ich ihn in der Ferne ausmachen! Das war genau die Situation, die ich bei meinen Endbeschleunigungen im Training immer vor Augen habe: Steinzeitjäger im Einsatz - das angeschossene Wild sucht sein Heil in der Flucht. Wenn du es nicht rechtzeitig einholst, gibt's nächste Woche nichts zu futtern :-( Das hat bisher noch immer geholfen
Und tatsächlich konnte ich mich zwei Kilometer vor dem Ziel an ihm vorbei schieben. Jetzt nur noch das Ganze heil ins Ziel bringen! Am Ende hat's sogar noch für einen ordentlichen Vorsprung gereicht. Und mit 03:04:14 war ich für die 320 Höhenmeter eigentlich auch zufrieden.

Sorry schöne Gegend! Ich habe am Ende nicht mehr viel mitbekommen. Aber ich komme mal wieder und laufe dann ganz in Ruhe eine Genießerrunde- versprochen!

Ergebnis:
Michael Craiß gesamt Platz 3 - M45 Platz 2 - 03:04:14